Neulich in der Negev. Oder: Interview mit einem Beduinen

25. November 2019

Reisebericht aus Israel #5

Neulich in der Negev. Oder: Interview mit einem Beduinen

«Willkommen in der Wüste!», sagt Zunawei. Er giesst Tee ein. Der Tee ist stark. Süss. Würzig. «Auf geht’s, zur Klippe», zum Ende der Welt. Dorthin, wo die Negev abstürzt in einen kolossalen Krater: Machtesch Ramon. Drei Kamele erheben sich; bedächtig setzen sie Fuss vor Fuss, sanfte Tiere mit grossen Augen und langen Wimpern. Zunawei geht voran – ein Beduine, Anfang dreissig, so sanft wie seine Tiere.

Zunawei, ein stiller, kluger Mann Anfang dreissig

Foto: Uwe Stolzmann
Ein Abfangjäger pfeilt vorüber, Hubschrauber dröhnen; Gaza liegt nur 120 Kilometer entfernt. – Zunawei ist Moslem wie die wütenden Moslems in Gaza. Er setzt Fuss vor Fuss, er sagt: «Sie können mich alles fragen.» Okay! Reden wir über ein schwieriges Thema.

Ich frage: Waren Sie in einer Schule für Beduinen? «Nein. In einer normalen, mit Hebräisch.» Haben Sie einen israelischen Pass? «Ja, haben wir.» Müssen Beduinen zum Wehrdienst wie sonst alle Männer und Frauen im Land? «Nein. Wir können freiwillig gehen. Und viele tun es. Ich nicht.»

«Ein Abfangjäger pfeilt vorüber; Gaza liegt nur 120Kilometer entfernt.»

Zunawei, was ist Ihre Identität als Araber in Israel, einer von 1,2 Millionen, wo gehören Sie hin? «Ich bin von hier, nur hier gehöre ich her.» Er zeigt auf den kleinen Kreis Wüste von Horizont zu Horizont: Zunawei, ein schmaler, kluger Mann, der sich fernhält von den Konflikten der Welt.

Grosse Augen, lange Wimpern: Kamele in der israelischen Wüste

Foto: Uwe Stolzmann
Pause in der Wüste. Absitzen. Zunawei handelt liebevoll und konzentriert: Er lockert einen Kreis Erde, schiebt die Erde beiseite, macht Feuer im Kreis. Er kocht Tee und Kaffee. Er sammelt Kräuter, die salzig schmecken oder erfrischend. Und dann, dann zaubert er.

Er knetet einen Teig aus Mehl, Salz, wenig Wasser und formt ihn zum Fladen. Er schiebt die Glut aus dem Kreis, legt den Fladen hinein, häufelt Erde darüber, dann die Glut. Fertig! Nach Minuten ist auch der Fladen fertig; das feinste Brot in diesem Land der feinen Brote.

Das Brotwunder. Bei den Beduinen in der Negev

Video: Uwe Stolzmann

Ich bin verwirrt von dem, was ich gerade erlebte. Was war das für ein Trick eben, dieses Brotbackwunder? Und wie kommt man zu dieser inneren Ruhe?

Zunawei bricht das Brot, er lächelt, ich höre ihn sagen: «Sei ganz bei dir. Achte die kleinen Dinge neben dir. Und liebe das, was du tust.» 

Frisch gebacken: Feines Fladenbrot

Foto: Uwe Stolzmann

Dank für den Zuspruch, Zunawei. Ich will es tun, auch weiterhin: Ich achte und liebe jeden Satz, den ich forme.

Auf Expedition durch ein karges, reiches Land: Autor Uwe Stolzmann

Foto: Brigitte Reinhard

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